• Arbeit, Fortschritt und Entscheidungen transparent machen!
    • Lernen aus Erfahrung!
    • Prozesse und Zusammenarbeit regelmäßig inspizieren und anpassen!
    • Produkte in kurzen Iterationen bearbeiten und ausliefern!
    • Kurze Feedbackschleifen zur Produktverbesserung nutzen!

Dies alles sind gesetzte Mantras aus der agilen Softwareentwicklung, mit dem Ziel das richtige Produkt richtig zu entwickeln.
Begründet werden diese Glaubenssätze meist mit Werten, die sich aus dem agilen Manifest ableiten und Themen wie Innovationsdruck, Zusammenarbeit, Mitarbeitermotivation und Unternehmenskultur.

Don Reinertsen, der weltweit wichtigste Pionier des Lean Product Development, kommt aus einer anderen Denkschule und beleuchtet das Thema Produktentwicklung aus einem eher betriebswirtschaftlichen Blickwinkel. Er spricht von Ressourcen statt Menschen, behandelt das Thema Mitarbeitermotivation eher im Nebensatz und wo Agilisten bunte Schaubilder malen, legt er ein Integral auf.

Seine aktuellen Erkenntnisse hat er in seinem Buch „The Principles of Product Development Flow: Second Generation Lean Product Development” zusammengefasst.

KEGON und Boris Gloger haben Don Anfang März für einen Executive-Workshop nach Deutschland geholt.

35 Teilnehmer hatten einen Tag lang die Möglichkeit die Grundlagen des Lean Product Development zu verstehen und direkt Fragen zu stellen.

Es war ein sehr intensiver Tag in dem inhaltlich folgende Themen behandelt wurden:

      • Establishing an Economic Framework: Wenn man regelmäßig Entscheidungen zwischen Handlungsoptionen treffen muss, sollte man eine nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage schaffen. Bspw. Cost of Delay.
      • Managing Queues: Lange Warteschlangen führen zu langen Durchlaufzeiten (Cycle Time), mehr Overhead, geringerer Qualität, geringerer Motivation und erhöhen das Risiko. Ein Hauptgrund für lange Warteschlangen ist der Versuch Ressourcen maximal auszulasten.
      • Exploiting Variability: Innovationen beinhalten Ungewissheit und Ungewissheit beinhaltet Variabilität. Zu glauben, dass Produktentwicklung vorhersehbar wird, wenn man es nur „hart genug versucht“ – die Analysephase lang genug durchführt, ist ignorant.
      • Reducing Batch Size: Der kurzzeitige Effizienzvorteil durch große Aufgabenpakete wird heutzutage durch die Nachteile langer Warteschlangen, die mit großen Aufgabenpaketen einhergehen, schnell ins Negative gekehrt. Die Reduzierung und Homogenisierung von Aufgabengrößen sollte der erste Hebel für Verbesserungen des Produktentwicklungsprozesses sein.
      • Applying WIP Constraints: Die Limitierung angefangener Arbeit(/Projekte), und damit die Fokussierung auf wenige wichtige Projekte, führt zu schnellerer Wertschöpfung und zu kürzeren Warteschlangen.
      • Controlling Flow: Durch gleichmäßigen Takt und harte Priorisierung wird der Entwicklungsprozess vereinfacht und effizienter. Priorisierung ist immer dann nötig, wenn von einem System mehr gefordert wird, als es liefern kann. Zur Priorisierung können je nach Situation einfache (z.B. First-In First-Out) oder komplexere Methoden, wie zum Beispiel Weighted Shortest Job First (WSJF), zum Einsatz kommen.
      • Using Fast Feedback: Schnelles Feedback führt zu höherer Qualität und somit zu geringeren Kosten. Möglich wird dies nur durch kurze Warteschlangen und frühe Auslieferung.
      • Decentralizing Control: Damit Entscheidungen zur richtigen Zeit getroffen werden, kann nicht immer auf eine zentrale Instanz gewartet werden. Damit diese Entscheidungen dezentral richtig getroffen werden, müssen die Mission (das größere Ziel) und der Entscheidungsrahmen transparent sein.

Zusammengefasst sind der Weg und die Ansatzpunkte des Lean Product Development andere als bei der agilen Softwareentwicklung. Das Ergebnis ist jedoch vergleichbar: Ein wertorientierter Produktentwicklungsprozess, der die richtigen Produkte nachhaltig entwickelt. Der Tag hat sich für jeden gelohnt, der Ansatzpunkte und Argumente zur Optimierung seiner Produktentwicklung oder betriebswirtschaftliche Gründe für die Einführung von agilen Vorgehensweisen sucht.

Zur Person:

Don Reinertsen ist der weltweit wichtigste Pionier des Lean Product Development. Er arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Berater mit führenden Unternehmen in der Produktentwicklung und leitet zu diesem Thema seit vielen Jahren Managementseminare am California Institute of Technology. Donald Reinertsen ist Autor verschiedener Bestseller zum Thema Product Development.

Autor: Florian Mecoch